Schlachtenseer Markt

 

Der Schlachtenseer Markt  an der Matterhornstraße ist nicht nur das ursprüngliche Einkaufszentrum,
er ist das Kommunikationszentrum von Schlachtensee,

seine heimliche Mitte.

Die Fläche des Marktes gehörte früher zu dem großen Gelände der Orensteinschen Lokomotivenfabrik, die hier ab 1890 produzierte.

PLan Orenstein

aus: Schlachtensee-West, Häuser und Bewohner der Villenkolonie,  Berlin 2010, S. 51

Der Marktplatz selber war der frühere Orensteinsche Platz, ab 1927 gehörte er dem Marktbetreiber Adolf Mielisch, später seiner Frau Agnes Mielisch, die den Markt nach 1945 weiterbetrieb.

Hier kauften alle, hierher kam Rut Brandt oder Günther Pfitzmann, heute auch viele von weit weg, weil es hier so leckeren und frischen Fisch gibt,  das frische Öko-Gemüse, schöne Blumen, leckeren Käse und vieles andere mehr.

Und hier gibt es auch die „Marktkneipe“, das tolle Restaurant Claire, das täglich ab 17 Uhr auf hat. Hier treffen sich die Schlachtenseer, die Nachbarschaftsgruppe von nebenan.de und die Ortsteil-Initiative. Am Nachmittag wird die Eisdiele  von Kindern und ihren Eltern belagert.  Wer Schlachtensee fühlen will, muss am Freitag auf den Markt kommen.  Gut, dass es ihn noch gibt.

Wie es dazu kam, dass der Schlachtenseer Markt erhalten blieb und nicht bebaut wurde wie die Gegend ringsherum, erzählt Renate Sommereisen in ihrem schönen Beitrag, den sie 2015 für den Zehlendorf Blog des Tagesspiegels schrieb, den es leider so nicht mehr gibt.

 

Es war einmal ein Markt…

Immer wieder schicken uns auch unsere Leser Texte zum Geschehen aus ihren Kiezen in Zehlendorf. Hier schreibt unsere Autorin darüber, wie ein traditionsreicher Markt am Schlachtensee vor der Bebauung gerettet werden konnte. 

RENATE SOMMEREISEN

Sie haben Ihre Leser ermutigt, etwas zum Zehlendorf-Portal beizutragen. Ich möchte dies zum Anlass nehmen, um über etwas hier bei uns in Schlachtensee zu berichten, das ich als fast schon märchenhaften Vorgang beschreiben würde.

Wie sicherlich bekannt ist, boomt der Unterbezirk Schlachtensee unwahrscheinlich,  es wird hier alles bebaut, was nur irgend geht. Entlang der S-Bahn-Trasse ist eine Doppelhausbebauung vorgenommen worden, die es den Käufern der sehr teuren Häuser nicht nur ermöglicht, den S-Bahn-Geräuschen hautnah zu lauschen, sie können auch hören, wenn sich der Nachbar dezent räuspert.

In dieser Art und Weise ging es weiter, ein großes Gelände wurde mit einer riesigen Eigentumswohnanlage zugebaut, und zwar an der Matterhornstraße, sehr nah an der Breisgauer Straße und am See.

Fischhändlermit

Ach Du dicker Fisch! Die Händler am Fischstand auf dem Markt in Schlachtensee.
FOTO: RENATE SOMMEREISEN

 

Neben diesem Moloch befand und befindet sich noch ein kleiner Platz, der letzte freie Platz in der Mitte Schlachtensees. Dieser beherbergte lange Jahre hindurch nicht nur ein beliebtes Restaurant und zwei kleine Geschäfte, sondern jeden Freitag auch einen Markt, auf dem Produkte aus der Region verkauft wurden. Aber dorthin kam auch immer der legendär gute, frischeste Ware verkaufende Fischhändler. Nun gehört dieses kleine Plätzchen aber auch zum allgemeinen Bebauungsgebiet, das heißt, die Investoren standen schon Schlange, um dem bisher sich einem Verkauf verweigert habenden Besitzer, dem ortsansässigen, menschenfreundlichen Apotheker, dieses letzte Eckchen an freiem Platz abzukaufen.Marktmit

 

Markt in Schlachtensee.  FOTO: RENATE SOMMEREISEN

Das Märchen beginnt so…

Der menschenfreundliche Apotheker hat nun aber Kinder, die sich das Geld für den Verkauf gern teilen wollten. Also sollten auch dort alle weichen , um weiteren , auf engstem Raum zusammengepferchten Eigentumswohnungen Platz zu machen.

Das Märchen beginnt nun so:  Es war einmal ein wohlhabender Mann, dem nichts wichtiger war, als seiner geliebten Frau eine Freude zu machen. Da diese sehr gern besonders den Fischhändler jeden Freitag aufsuchte, kaufte er den Platz mit den Worten:  „Meine liebe Frau soll noch viele Jahre ungestört bei ihrem Fischhändler einkaufen gehen können!“

Er lässt alles so, wie es ist, die kleinen Geschäfte und das nette Restaurant dürfen bleiben.

Ende gut, alles gut.

Renate Sommereisen

Renate Sommereisen. FOTO: PRIVAT

Der wohlhabende Mann darf an dieser Stelle nicht genannt werden, weil er es nicht möchte, aber er selbst ist schon vor 40 Jahren mit seiner Mutter auf dem Markt einkaufen gegangen – natürlich vor allem für frischen Fisch…

Die Autorin lebt im Kiez am Schlachtensee. Der Text erscheint auf dem Tagesspiegel-Zehlendorf, dem digitalen Stadtteil- und Debattenportal aus dem Berliner Südwesten. Wenn Sie auch Texte schreiben wollen oder Anregungen haben, wenden Sie sich gern an uns unter zehlendorf@tagesspiegel.de

https://www.tagesspiegel.de/berlin/bezirke/steglitz-zehlendorf/berlin-schlachtensee-eine-maerchenhafte-rettung-es-war-einmal-ein-markt-/12028646.html

Advertisements